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Die Vollbeschäftigungstheorie von Adam Smith
Banken und Spekulation
Geschrieben von: Wic Wen   
Dienstag, den 08. Mai 2012 um 15:34 Uhr

Um die Finanzkrise zu lösen, müssen neu erscheinende Wege eingeschlagen werden, ohne auf die Benutzung vorhandener Theorien zu verzichten. Hilfe kann dabei von der Marktwirtschaftstheorie erwartet werden, deren Beachtung bisher nur vorgetäuscht ist. würde sie angewandt, dann hätte es keine Finanz- oder Bankenkrise gegeben, denn sie blockiert den Banken die Möglichkeit zu spekulieren weitgehend.

Beteiligungen von Banken an Unternehmen, also auch die Erlaubnis für sie, Aktien zu kaufen, gelten im Kapitalismus als selbstverständlich. Aufgabe von Theorie ist es, angebliche Selbstverständlichkeiten der Praxis zu hinterfragen. Aus der Marktwirtschaftstheorie ergibt sich, dass allgemein Unternehmen sich nicht an anderen Unternehmen beteiligen, also auch Banken keine Aktien kaufen dürfen.

Die Marktwirtschaftstheorie enthält ein von juristisch chaotisch unübersichtlicher Dogmatik verdrängtes Fusionsverbot für Unternehmen.  Sucht man nach einer willkürfreien Grenze, ab wann die Beteiligung eines Unternehmens an anderen eine Fusion sei, so findet sich keine. Daraus folgt der Schluss: Die Marktwirtschaftstheorie verbietet jede Beteiligung eines Unternehmens an einem anderen und dadurch bereits jeden Kauf auch nur einer einzigen Aktie.

Ein solches Verbot hat weitreichende Auswirkungen. Seine Durchsetzung muss das Ende des Kapitalismus zur Folge haben, weil dann Kapital nicht mehr beliebig Macht ausüben darf. Banken dürfen nach der Marktwirtschaftstheorie sich nicht an Unternehmen beteiligen, die sie sonst natürlich bei der Kreditvergabe bevorzugen und versuchen, ihnen ein politisch günstigeres Umfeld als den anderen zu schaffen.

Die Finanzkrise brach aus, weil Banken sich an so genannten Derivaten beteiligt hatten, bei denen Hypothekarkredite gebündelt weiterverkauft wurden.  Auch solch ein Weiterverkauf ist antimarktwirtschaftlich. Es geht nicht, dass der Gläubiger eines Kredits diesen ohne Zustimmung des Schuldners einfach weiterverkauft.

Bei der Finanzkrise fanden sogar ganze Ketten solcher Weiterverkäufe statt. Aber jede Kreditvergabe geschieht in einem bestimmten Vertrauensumfeld. Nicht alle Bedingungen lassen sich dabei schriftlich fassen. Wer einen Kredit vergibt, der nicht von vornherein die Rechtsform beliebiger Übertragbarkeit erfüllt, hat ihn deshalb bis zur Fälligkeit zu behalten oder kann ihn dem Schuldner zum Rückkauf anbieten, aber ihn bereits aus Datenschutzgründen nicht beliebig weiterverkaufen.

Allerdings erweist sich, anders als Politiker und kapitalistische Volkswirte oberflächlich behaupten, als eigentliche Ursache der Finanzkrise kein Fehlverhalten von Banken, sondern von Staaten. Die haben die Geldmenge extrem erhöht. Die überschüssige Geldmenge hat das Bankensystem mit Geld überflutet, für das es immer schwieriger wurde, Anlagen zu finden.


Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 17. Mai 2012 um 22:03 Uhr
 
Erneuerung der Justiz, die wichtigste Aufgabe des 21. Jahrhunderts
Geschrieben von: Wic Wen   

Sich nie über die Unübersichtlichkeit, Widersprüchlichkeit und daraus folgend unabänderlich scheinende Ungerechtigkeit und Umständlichkeit heutiger Justiz ärgernde Personen dürfte es keine geben, sogar nicht mal unter den Jurist(inn)en.  Jedoch verstummen darüber Klagen schnell wieder, weil es zur Jurisprudenz keine grundsätzliche Alternative zu geben scheint. Man meint, die Jurist(inn)en seien Rechtswissenschaftler(innen), was allein sie geeignet mache, professionell für die nötige Verbesserung des Rechts zu sorgen.

Aber die Jurisprudenz ist keine Wissenschaft, folglich auch keine des Rechts, also sind die Juristen keine Rechtswissenschaftler. Sie ist Dogmatik, als die sie vorwissenschaftlichen Auffassungen des Mittelalters tradiert. Da Dogmatiker sich nicht selbst von ihrer Dogmatik lösen können, eignen sich Juristen nicht, die notwendige Verbesserung des Rechts zu erforschen und durchzusetzen.

Es gibt bessere Möglichkeiten, das Recht zu verwalten als durch die Juristen.  Da jedes Rechtsproblem durch Konflikt entsteht müssen Konfliktwissenschaftler geeigneter sein, das Recht zu verwalten, wenn sie dazu auf Konflikttheorien aufbauen statt auf Dogmatik. Unter Konfliktwissenschaften fasse ich die drei Sozialwissenschaften Psychologie, Soziologie und Politologie auf sowie, wenn ihrerseits auf deren Theorien aufbauend, die Pädagogik und die Wirtschaftswissenschaften.

Die Marktwirtschaftstheorie ist dann eindeutig konfliktwissenschaftlich basiert, denn Adam Smith leitete sie aus seiner Theorie der moralischen Gefühle ab, einer kombinierten Vorgängerin von Psychologie und Soziologie. Da die heutige, die kapitalistische Volkswirtschaftslehre nicht auf sozialwissenschaftlichen Theorien, sondern auf dogmatischen Fiktionen nach Art der Jurisprudenz basiert, kann sie dagegen nicht als Konfliktwissenschaft aufgefasst werden, wohl aber die Betriebswirtschaftslehre, die sich ihr damit als methodologisch weit voraus erweist.

Die Pädagogik und die Wirtschaftswissenschaften müssen dann auf den Sozialwissenschaften basieren, um deren Ergebnisse anwendungsnah zu kombinieren, wie die Medizin und die Ingenieur-  auf den Naturwissenschaften. Mit seiner Marktwirtschaftstheorie hat Adam Smith diesen Weg für die Volkswirtschaftslehre vorgegeben. Die heutige, die kapitalistische Volkswirtschaftslehre hat ihn zugunsten dogmatischer und damit ideologischer Abwege verlassen.

Wichtig ist auch das Bemühen von Adam Smith um besseres Recht, obwohl er darin scheiterte.  Neben seiner Theorie der moralischen Gefühle als Vorgänger zweier Sozialwissenschaften und seinem Reichtum der Völker, mit dem er die Volks- von der Betriebswirtschaftslehre trennte, bereitete er als Krönung einer Trilogie noch ein von ihm jahrzehntelang angekündigtes drittes Buch vor, das die Politologie gründen und mit einer dem Volk dienenden Jurisprudenz kombinieren sollte. Bei dieser Aufgabe scheiterte er und ließ die dazu gehörigen Manuskripte wenige Tage vor seinem  Tod verbrennen, um Verwirrung zu vermeiden.

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 11. Mai 2012 um 12:21 Uhr
 
Von Wirtschaft verstehe ich nichts
Geschrieben von: Wic Wen   
Freitag, den 04. Mai 2012 um 16:57 Uhr

Von Wirtschaft nichts zu versehen, gilt als schick, denn sie als verlogen und schmutzig. Im weitesten Sinn will man sich so vom Kapitalismus distanzieren, der aber gerade davon lebt, die Leute wirtschaftsdumm zu halten, sonst gäbe es ihn längst nicht mehr. Gerade Volkswirtschaft beeinflusst unser aller Leben so sehr, dass wir davon etwas verstehen sollten, wozu wir ihre Theorie benötigen.

Als ich vor Jahrzehnten Wirtschaftsstudenten der Anfangssemester in der damals Preistheorie genannten Mikroökonomik unterrichtete, begann ich den Kurs mit der Feststellung, was sie dieses Semester bei mir lernten, sei durchweg falsch, aber leider würden sie es  geprüft. Das war für die Student(inn)en  natürlich nicht besonders motivierend, aber wenigstens von mir ehrlich, obwohl sie mir wahrscheinlich nicht geglaubt haben. Meinerseits habe ich damals nicht erwartet, mir könne einmal die Richtigstellung gelingen, aber geglaubt wird mir immer noch nicht, denn sonst würde unter dem neueren Namen nicht weiterhin derselbe Unsinn weltweit an den Universitäten als Volkswirtschaftslehre unterrichtet und abgeprüft.

Sobald man über Falsches tiefgehend nachdenkt, erweist es sich als unendlich schwierig: (Man versuche nur, solche einstmals als Vereinfachung angebotene Fiktion wie die vom Kinder bringenden Storch als realistisch zu erklären) Die als volkswirtschaftlich aufgefasste Mikroökonomik ist voller Fiktionen, deren offensichtliche Falschheit das aus ihnen Gefolgerte unverständlich macht, weshalb ich grundsätzlich, wenn ich etwas in der Volkswirtschaftslehre oder Wissenschaftstheorie trotz gründlichen Nachdenkens nicht verstehe, auf Falschheit schließe, um nach der einfachen, weil richtigen Lösung zu suchen. So stieß ich auf die das angeblich Selbstverständliche auf den Kopf stellende Lösung, die gesamte Mikroökonomik könne nichts mit Volkswirtschaftslehre zu tun haben, weshalb sie daraus zu entfernen sei: Volkswirtschaftslehre und Makroökonomik seien Synonyme.

Die beiden Fächer Betriebs- zusammen mit der endlich als ein Fach zu gründenden Hauswirtschaftslehre decken die Mikroökonomik genügend und kompetent ab. Da sollte sich die Volkswirtschaftslehre nicht auch noch zwischen ihr und Makroökonomik zweiteilen. Die zeigt sich dann als halb, aber nicht nur als ein sechstel so wichtig wie die Mikroökonomik, was aber die heutigen, die kapitalistischen Volkswirte voraussetzen, wenn sie ihr zusätzlich noch mikroökonomische Untersuchungsaufgaben zuteilen.

Die Vorstellung, Makro- müsse aus Mikroökonomik abgeleitet werden, also die Idee der Mikrobasierung von Makroökonomik, ist die Grundlage des dann von der Marktwirtschaftstheorie widerlegten Merkantilismus. Der entstand aus Anwendung der im Mittelalter erfundenen doppelten Buchhaltung auf volkswirtschaftliche Probleme, also von Mikro- auf Makroökonomik. Dafür fasste er den Staat als eine Art Unternehmen auf, woher auch die von den Juristen noch immer in Verfassungen übertragene Vorstellung herstammt, er müsse sich allgemein, so auch bei seiner Verschuldung, wie ein solches verhalten.

Ganz ohne mikroökonomisches Störfeuer gelehrt wird die Makroökonomik verblüffend einfach. Die originale Marktwirtschaftstheorie von Adam Smith besteht aus reiner Makroökonomik. Da sie den Staat als Gegenteil von Unternehmen auffasst, um deren Macht zu beschränken, darf sie nicht mikroökonomisch basiert sein.

Solche Makroökonomik, wie die Marktwirtschaftstheorie sie darstellt, muss anders vorgehen als die Abart von Volkswirtschaftslehre, die sie auf Mikroökonomik abzuleiten versucht, wie aktuell die Volkswirtschaftslehrbücher in der Folge der Lehrbücher von Samuelson. Sie darf nicht beschreiben, was angeblich ist, sondern muss vom bestehenden Staat ausgehen, um dessen Verhalten zu beschränken, sie beschreibt, was der nicht tun darf, weil er damit Schaden stiftet.  Das ergibt überaus einfache, äußerst wirksame Theorie, wie Adam Smith sie in heute allerdings veralteter Sprache seinem ehemaligen Bestseller Reichtum der Völker und ich sie auf dieser Website in vielfältiger Form beschreiben.

Dem Interesse kapitalistischer Volkswirte widerspricht solch einfache Volkswirtschaftslehre. Ein unverständliches Fach gibt ihnen politische Macht und lässt ihnen Freiraum, um mit Modellen zu brillieren, wenn sie, wie die meisten, zu Theorien wenig Bezug haben. Mit Unverständlichem  - alles was Fiktionen verwendet, ist unverständlich - erheben sie sich auch über ihre Studenten, vergrößern sie den Abstand zu denen und überkompensieren dadurch Minderwertigkeitskomplexe, in ihrem Fach nichts Großartiges zu leisten.

Theorie dient dazu, auch Nichtfachleute direkt zum aktuellen Wissensstand zu führen. Deshalb sollten gerade jene, die meinen, von Wirtschaft nichts zu verstehen, auf kenntnis der gültigen Theorie bestehen. Erscheint die unverständlich, dann können sie davon ausgehen, dass sie falsch sei.

Die kapitalistische Volkswirtschaftslehre verbreitet über ihre Mikrobasierung zahlreichen Unsinn, den bereits Adam Smith mit seiner Marktwirtschaftstheorie widerlegt hat. Die Gegensätze habe ich in zwei Tabellen zusammengefasst. Die erste  zeigt die formalen Gegensätze zwischen kapitalistischer und marktwirtschaftlicher Volkswirtschaftslehre, die zweite ihre gegensätzlichen Annahmen:

Tabelle zum formalen Gegensatz kapitalistischer Volkswirtschaftslehre und Marktwirtschaftstheorie

kapitalistische Volkswirtschaftslehre Marktwirtschaftstheorie
Basierung mikroökonomische Fiktionen (juristische Dogmatik)
Sozialwissenschaftliche Theorien
Staatsverhalten wie das eines großen Unternehmens entgegengesetzt zu Unternehmen
Theorie Modelle anstelle von Theorie Beschreibung, was der Staat nicht tun darf
Wissenschaftstheorie angeblich für Volkswirtschaftslehre ungeeignet Alle Grundaussagen sind falsifizierbar
Mikroökonomik Teil der Volkswirtschaftslehre gehört nur in Betriebs- und Hauswirtschaftslehre
Herkunft tradiert merkantilistische Lehre hat den Merkantilismus widerlegt
Mikrobasierung notwendig falsch, weil sich Unternehmen und Staat gegensätzlich verhalten müssen
wird gelehrt weltweit so weit ich weiß, bisher nur von Adam Smith und inzwischen auch von mir
wird angewendet weltweit bisher nirgends, sonst gäbe es keine Weltwirtschafts-, Banken- oder Eurokrise
Verständlichkeit unverständlich leicht verständlich

Der formelle Gegensatz zwischen Marktwirtschaftstheorie und heute an den Universitäten unterrichteter, mikroökonomisch basierter Abart von Volkswirtschaftslehre mündet in zahlreichen gegensätzlichen Grundannahmen. Die kapitalistischen Volkswirte bestreiten gar nicht, dass sie falsche Annahmen, Fiktionen verwenden. Das ist wissenschaftstheoretisch jedoch nicht erlaubt, da falsche Annahmen (Fiktionen) zu beliebigen Schlüssen führen.

 

Tabelle zu inhaltlichen Gegensätzen kapitalistischer Volkswirtschaftslehre zu Marktwirtschaftstheorie

Fiktionen kapitalistischer Volkswirtschaftslehre Marktwirtschaftliche Annahmen
Löhne Je niedriger, desto besser für das Volk Je höher, desto besser, um über die Nachfrage Vollbeschäftigung zu sichern
Unternehmen Staat muss Unternehmen unterstützen Staat muss Macht von Unternehmen begrenzen
Subventionen können vorteilhaft sein, um Marktverzerrungen zu bekämpfen grundsätzlich verboten, weil der Staat damit Marktbegrenzungen aufhebt
Wachstum durch starke Unternehmen durch starke Nachfrage
Wettbewerb primär der Staaten gegeneinander Nur zwischen Unternehmen, Staaten haben zu kooperieren

Wie die inhaltliche Untersuchung der Marktwirtschaftstheorie zeigt, ist ihre Verkürzung auf das Bild von der unsichtbaren Hand Ideologie. Ein solches Bild ist keine Theorie und deren Ersetzung mit ihm damit Theorieverdrängung. Trotzdem oder deshalb geben sich die heutigen volkswirtschaftlichen Lehrbücher mit diesem Bild zufrieden, um anschließend Eigenschaften der Marktwirtschaftstheorie anzufügen, die nichts mit ihr zu tun haben.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 11. Mai 2012 um 17:54 Uhr
 
Die Jurisprudenz ist die Ideologie des Kapitalismus
Geschrieben von: Wic Wen   
Dienstag, den 01. Mai 2012 um 22:59 Uhr

Weil keine Theorie, sondern Ideologie entzieht sich der Kapitalismus leichter Erfassbarkeit. Theorie hat die Aufgabe, Ideologie durch Aufdeckung, wem sie nützt und damit ihrer Ursache unschädlich zu machen. Um das mit dem Kapitalismus zu tun, eignet sich die Marktwirtschaftstheorie, die mit ihrer Kritik des juristischen Rechts zu den Juristen als seiner Ursache führt.

Das die Juristen ausbildende Fach, die Jurisprudenz, ist mächtig und gibt sich als Wissenschaft aus, obwohl es keine, sondern Dogmatik ist, als die es sich dem grundlegenden Wissenschaftskriterium der Falsifizierbarkeit entzieht. So wie die Marxisten (Anhänger des Juristen Marx) Ideologen des Kommunismus, so sind allgemein Juristen Ideologen des Kapitalismus. Ohne kontinuierliche Verbreitung seiner Ideologie von mächtiger Stelle aus  gäbe es ihn längst nicht mehr.

Alle drei an Ideologie des Kapitalismus zu stellenden Anforderungen erfüllt die Jurisprudenz: obwohl mächtig und antiwissenschaftlich sich als Wissenschaft nur auszugeben, um einfacher Kritik zu entzogen zu sein. Dabei stellt sie sich als unschuldig an ihm dar, um als seine Ursache übersehen zu werden; die Raffinesse der Jurisprudenz als Ideologie des Kapitalismus besteht insbesondere darin, jede daran aufkommende Kritik als dafür angeblich Verantwortliche auf die Volkswirtschaftslehre umzuleiten. Aber diese wurde im 19. Jahrhundert im Rahmen der juristischen Fakultäten an den Universitäten unterrichtet, wodurch die Volkswirte deren Dogmatiktechnik übernahmen und in der Weiterentwicklung zu Modellen als ihren zu Fällen analogen Grundlagen noch immer beibehalten haben.

Ein einfaches Beispiel, wie die Jurisprudenz volkswirtschaftliche Theorien verdrängt, stellt die gültige, weil unwiderlegte zur Staatsverschuldung dar. Zwar erlaubt die Marktwirtschaftstheorie Staatsverschuldung, verbietet aber deren Dauerhaftigkeit, weil diese dann Massenarbeitslosigkeit erzeugt. Den von ihr widerlegten Merkantilismus weiterführend haben die Juristen, um der gültigen volkswirtschaftlichen Theorie Einfluss zu verwehren, zahlreiche schlechtere, dogmatische Staatsverschuldungsregeln aufgestellt und in Verfassungen festgeschrieben.

Die in Deutschland seit 2009 ins Grundgesetz eingefügte, Schuldenbremse genannte juristische Staatsverschuldungsregel verbietet grob gesagt weitere hohe Staatsverschuldung. Die war schon vorher sogar juristisch verboten, woran sich aber die Politiker nicht hielten. Mit der so genannten Schuldenbremse wird nun eine Verschärfung vorgetäuscht, die nun einen hohen Bestand an Staatsdauerverschuldung erlaubt, der nach Auskunft der dadurch unbeachtet bleibenden Marktwirtschaftstheorie Massenarbeitslosigkeit erzeugt.

Die Zinszahlungen für bestehende Staatsschulden wirken als dauerhafter Kaufkraftentzug, umkehrt zur keynesschen Kapitalaufnahme. Solcher Entzug von Massenkaufkraft, also von Nachfrage, muss Massenarbeitslosigkeit erzeugen. In das Grundgesetz haben die Juristen – sich hinter der Verantwortung als Laien gewählter Abgeordneter versteckend – also die Erlaubnis für den Staat zu dauerhafter Massenarbeitslosigkeitsproduktion hineingeschrieben.

Die Verdrängung volkswirtschaftlicher Theorie durch juristische Fiktionen, die bestenfalls Unverständnis von wirklichen Zusammenhängen repräsentieren, muss beendet werden. Dafür empfiehlt sich die Ersetzung der juristischen Berufsgruppe in der Verwaltung des Rechts durch geeignetere Berufsgruppen. Einen Großteil meiner wissenschaftlichen Bemühungen richte ich auf den Nachweis, dass Konfliktwissenschaftler, also Psychologen, Soziologen, Politologen und auf deren Theorien aufbauende Fächer, sich zur Rechtsverwaltung lückenlos eignen besser als die Juristen.

Solche Forschung steht in der Tradition von Adam Smith. Der scheiterte noch am Versuch, die von ihm vorgefundene Jurisprudenz radikal zu verbessern oder zu ersetzen. Heute gibt es die von ihm gesuchten, geeigneten Nachfolgefächer, weshalb es viel leichter fällt, sein Ziel zu erreichen.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 18. Mai 2012 um 13:54 Uhr
 
Gibt es ein moralisches volkswirtschaftliches System?
Geschrieben von: Wic Wen   
Samstag, den 28. April 2012 um 15:35 Uhr

Es ist üblich, Kapitalismus und heutige Ökonomie gleichzusetzen, was automatisch einen Gegensatz zu Moral erzeugt. Aber die den Wissenschaftler allein zu interessierende Frage lautet: Gibt es ein moralisches volkswirtschaftliches System? Sie führt zum ehemaligen Moralprofessor Adam Smith, den genau diese Frage zum Schreiben seiner Marktwirtschaftstheorie motivierte.

Zwar die originale Marktwirtschaftstheorie, aber nicht, was zu ihrem Gegenteil verzerrt unter ihrem Namen die volkswirtschaftlichen Lehrbücher anbieten, ist hochmoralisch, weshalb sie nicht mit dem als ihrem Gegner amoralischen Kapitalismus verwechselt werden darf. Sie ist primär Verteilungstheorie, die eine tendenzielle, nicht vollständige Gleichverteilung zu verwirklichen sucht, im Gegensatz zur steigenden Ungleichverteilung im Kapitalismus. Außerdem soll der Staat die Bevölkerung gegen die Macht der Unternehmen schützen, nicht umgekehrt wie tendenziell im Kapitalismus.

So ist zu fragen, was die eigentliche Stütze des Kapitalismus ist, wenn seine Wurzeln nicht in der Volkswirtschaftslehre liegen können. Es muss sich dabei um ein die gesamte Gesellschaft beherrschendes, sich als angebliche Moralstütze ausgebendes Antimoralsystem handeln. Als amoralisch identifizierte bereits Adam Smith die Jurisprudenz, was aber die Literatur über ihn sorgfältig herausgefiltert hat.

Die eigentliche Stütze des Kapitalismus ist die Jurisprudenz. Sie steht der Moral in der Wirtschaft und der Anwendung der Marktwirtschaftstheorie entgegen. Ihr dogmatischer Charakter tradiert mittelalterliche Denkmethoden und verhindert überhaupt die Anwendung und auch Kenntnis sie störender volkswirtschaftlicher Theorien.

Die Raffinesse in dieser Verhinderung moralischer Wirtschaftsordnung besteht in der Selbstdarstellung und Wahrnehmung der Jurisprudenz als Moralhüterin. Aber die Nachfolgerinnen der philosophischen Morallehren sind die Sozialwissenschaften, auf deren Theorien moderne Rechtsverwaltung deshalb aufzubauen hat. Dagegen tradiert die Jurisprudenz Moralnormen primär aus römischer und nachrömischer Diktatur.

Die Ethik, unter der die Philosophie ihre Moralforschung zusammenfasste, war primär heimliche, versteckte Antidiktaturlehre. Dadurch konnte als letzte der drei Sozialwissenschaften schließlich auch die Politologie als eine ihrer empirischen Nachfolgerinnen entstehen. Um die Konkurrenz durch den Anspruch der Sozialwissenschaften zur empirischen Untersuchung von Moral klein zu halten, haben die Juristen ein Interesse daran, die übrig gebliebene, von ihren Denkmethoden her veraltete Philosophie und deren Ethik als angeblich immer noch wissenschaftliches Fach hoch zu halten.

Die moralische, marktwirtschaftliche Volkswirtschaftslehre von Adam Smith sieht völlig anders aus als die kapitalistische, die vorgibt, auf ihr zu basieren. Adam Smith hatte vorher sein Buch über die Theorie der moralischen Gefühle geschrieben, das sich als Kombinationsversuch dessen erweist, was dann ein Jahrhundert später getrennt sich zur Psychologie und zur Soziologie formte. Darauf baute sein Reichtum der Völker, seine Marktwirtschaftstheorie auf, die deshalb heute nur als strikt auf sozialwissenschaftlichen Theorien basierend erklärt werden kann, so wie die Betriebswirtschaftslehre es längst ist.

Die kapitalistische Volkswirtschaftslehre basiert stattdessen auf den Moralvorstellungen und dem Staatsverständnis der Jurisprudenz. Aus der schöpft sie ihre Art der Moral, die dem gesuchten Moralverständnis, wie es auch die Sozialwissenschaften darstellen, entgegengesetzt ist. Die Beseitigung des Kapitalismus erfordert diejenige der Verwaltung des Rechts durch die Jurisprudenz.

Adam Smith versuchte sich auch an einer Politologie kombiniert mit Rechtswissenschaft. Daran scheiterte er, weil es die Berufe, die in die Nachfolge der dogmatischen Juristen treten könnten, noch nicht gab. Die entsprechenden Manuskripte, an denen er jahrzehntelang gearbeitet haben muss, ließ er deshalb wenige Tage vor seinem Tod vernichten.

Was Adam Smith wollte, eine dogmatikfreie, auf Theorien gegründete Rechtsverwaltung zu erforschen und umzusetzen, ist uns als wichtige Aufgabe geblieben. Wir benötigen sie für eine Verbesserung des Rechts. Aber die Volkswirtschaftslehre lässt sich schon heute auf den Sozialwissenschaften statt auf der Jurisprudenz gründen, um den Kapitalismus zu beenden und an seine Stelle moralische Volkswirtschaft(slehre) zu setzen.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 08. Mai 2012 um 09:37 Uhr
 
Der Rückzug des Rechts aus dem Gesetzesstaat
Geschrieben von: Wic Wen   
Samstag, den 28. April 2012 um 16:41 Uhr

Besprechung des Buches von Bußjäger, Peter [1996] Der Rückzug des Rechts aus dem Gesetzesstaat (Verlag Österreich) Wien

Obwohl ich die Besprechung neuerer oder neuester Bücher normalerweise bevorzuge, muss ich bei einem so wichtigen Buch, wie dem des Österreichers Bußjäger, eine Ausnahme machen, nicht weil es ein Bestseller wäre, sondern aus dem umgekehrten Grund: Es blieb unverdientermaßen unbekannt. In deutschen Bibliotheken ist es möglicherweise nirgends erhältlich, genauso wenig in Buchhandlungen und nur selten im Internet. Deshalb geht es weniger um Kaufanregung als um Verbreitung seines zentralen, seit eineinhalb Jahrzehnten unterdrückten, weil weitgehend unerwünschten Inhalts.

Der Jurist Bußjäger beschreibt entsetzt, wie das Recht verfälscht und so zu einer Art "Geheimrecht" verkommen ist, wie im Vorwort Walter Barfuß, Präsident der Wiener Juristischen Gesellschaft, anmerkt:

Der von Peter Bußjäger bewiesene Mut, Dinge - in durchaus nicht üblicher Art - beim Namen zu nennen, imponierte mir sehr.

Nicht nur mich hatte damals schon seit langem der Niedergang der Rechtskultur mit Sorge erfüllt. Vielmehr waren es viele, die vor allem dadurch irritiert werden, daß man das, was als Recht gehandhabt wird, in steigendem Maße nicht als Recht dem Gesetz entnehmen kann, sondern daß man "Insider" einer Gruppe, einer Branche oder gar einer Clique sein muß, und zwar nicht selten sogar im Sinne einer gewissen Kumpanei, um überhaupt erfahren zu können, was tatsächlich als Recht (oft als eine Art Geheimrecht) gehandhabt wird. {Barfuß, Walter, Vorwort}

Bußjäger stellt dar, wie mithilfe juristischer Praxis teils unabsichtlich, teils absichtlich gelogen wird, was er mit "unaufrichtig" weniger drastisch ausdrückt und womit er indirekt auch erklärt, warum Politiker im Ruf stehen, verlogen zu sein und die kapitalistische Volkswirtschaft amoralisch ist. Er teilt die sich über "Gesetzesflut" äußernde "Gesetzgebung" in vier, allerdings nicht klar voneinander unterscheidbare Dysfunktionen ein, die den Kernteil seiner Untersuchung gliedern:

2.4 Rückzüge der Gesetzgebung - eine Phänomenologie

Auch die Gesetzgebung selbst zieht sich zurück, wenn auch der äußere Anschein der Gesetzesflut ein anderer ist. Dieser Rückzug der Gesetzgebung kann auch als "unaufrichtige Gesetzgebung" bezeichnet werden, deren Phänomene wie folgt unterschieden werden können:

a) Scheingesetzgebung
b) Beschwichtungsgesetzgebung
c) Verhinderungsgesetzgebung
d) Verschleierungsgesetzgebung

Als schwächste Form der unaufrichtigen, der verlogenen Gesetzgebung unterscheidet er die Scheingesetzgebung. Sie täuscht vor, etwas zu regeln, ohne es wirklich zu tun, womit sie Nichtjuristen sowieso in die Irre führt:

2.41. Scheingesetzgebung

Häufig regeln Normen nicht das, was sie zu regeln vorgeben, sondern vielmehr nichts. So kommt es vor, daß Gesetze sich darauf beschränken, Grundsätze zu regeln und die nähere Ausführung dem Verordnungsgeber zu überlassen, ... Die Scheingesetzgebung mißbraucht .... diese Kompetenz, indem sie das Gesetz zur bloßen Hülse verkommen läßt. Die Verordnungsermächtigung ist in dieser Form der Gesetzgebung eine Verheißung für die Zukunft, die erfüllt werden kann oder auch nicht. {2. Rückzüge des Rechts; Rückzüge der Gesetzgebung - eine Phänomenlogie; 2.4.1 Scheingesetzgebung}

Gesteigert wird solcher Betrug durch die Beschwichtigungsgesetzgebung. Es werden unnötige oder direkt falsche Gesetze gemacht, mit der Funktion, die Öffentlichkeit oder auch die Politiker selbst zu beruhigen:

2.4.2. Beschwichtigungsgesetzgebung

Notorisch dürfte sein, daß nicht wenige Gesetze aus tagespolitischen Anlässen ergehen. Es erübrigt sich aber keineswegs, diesen Umstand näher zu behandeln, denn häufig stellt auch diese reaktive Gesetzgebungstätigkeit einen Rückzug dar. Die Beschwichtigungsgesetzgebung, die zur Beruhigung einer aus welchen Gründen auch immer aufgebrachten Öffentlichkeit ergeht, nimmt oft bewußt, meistens aber mit bedingtem Vorsatz, die Unvollziehbarkeit der betreffenden Normen in Kauf. {2. Rückzüge des Rechts; Rückzüge der Gesetzgebung - eine Phänomenologie; 2.4.2 Beschwichtigungsgesetzgebung}

Die Funktion der Beschwichtigungsgesetze ist es, den Eindruck politischer Aktivität und Änderung vorzutäuschen, obwohl damit keine wirkliche möglich ist:

Die Beschwichtigungsgesetzgebung ist somit eine Gesetzgebung, die sich nicht um den Vollzug, sondern nur um den äußeren Anschein einer guten Tat kümmert. Sie ist unaufrichtig, weil sie vorgibt, Probleme zu lösen, obgleich sie dadurch eher erst erzeugt werden. Auch hier zieht sich das Recht aus seiner Funktion zurück. {2. Rückzüge des Rechts; Rückzüge der Gesetzgebung - eine Phänomenlogie; 2.4.2 Beschwichtigungsgesetzgebung}

Zur Beschwichtigungsgesetzgebung zähle ich auch die Schuldenbremse, die 2010 ins deutsche Grundgesetz aufgenommen wurde, aber erstens überflüssig ist, weil es bereits vorher entsprechende gesetzliche Verschuldungsverbote gab, die scheibchenweise beseitigt worden waren, wobei aber die trotzdem übrig gebliebenen immer noch ausreichen, das Staatsdauerverschuldungsverhalten der Politiker zu verbieten, wie ich in meinem ersten Band der Vollbeschäftigungstheorie von Adam Smith ausführlich darstelle. Zweitens ist eine solche Schuldenbremse bei der vorhandenen extremen Staatsdauerverschuldung - auch Deutschlands - uneinhaltbar, denn sie erzeugt kostspielige Massenarbeitslosigkeit, die nur durch zusätzliche Schuldenaufnahme teilweise kompensiert werden kann.

Die Verlogenheit juristischen Rechts steigert noch die "Verhinderungsgesetzgebung". Sie besteht in der Technik, Chaos zu erzeugen, um die von der Öffentlichkeit gewünschten Regelungen zu verhindern:

2.4.3 Verhinderungsgesetzgebung

Das dritte Phänomen unaufrichtiger Gesetzgebung ist die Verhinderungsgesetzgebung. Unter dem Titel des Umweltschutzes und der Partizipation der Betroffenen werden Verfahrensregeln eingeführt, die die Verfahren zum Spielball von Emotionen machen. {2. Rückzüge des Rechts; Rückzüge der Gesetzgebung - eine Phänomenlogie; 2.4.3 Verhinderungsgesetzgebung}

Gesetzen wird normalerweise die Funktion zugeordnet, eine Änderung zu bewirken. Sie lassen sich aber auch umgekehrt dazu einsetzen, den Willen zur Änderung nur vorzutäuschen, um sie zu verhindern:

Die Verhinderungsgesetzgebung setzt also - in durchaus unterschiedlicher Wirkung - das Verfahren als Kriterium der Rechtsstaatlichkeit außer Kraft, sei es, daß es zu unadministrierbar oder überhaupt ausgeschaltet wird. Damit kehrt der Gesetzgeber zu einem prärechtsstaatlichen Zustand zurück. {2. Rückzüge des Rechts; Rückzüge der Gesetzgebung - eine Phänomenlogie; 2.4.3 Verhinderungsgesetzgebung}

Als besonders subtil empfindet der Jurist Bußjäger das, was er "Verschleierungsgesetzgebung" nennt:

Der letzte Punkt in der Phänomenologie unaufrichtiger Gesetzgebung bildet die Verschleierung. Sie ist letztlich ebenfalls ein Rückzug des Rechts, wenn auch in sehr subtiler Form. {2. Rückzüge des Rechts; Rückzüge der Gesetzgebung - eine Phänomenlogie; 2.4.4 Verschleierungsgesetzgebung}

Die Verschleierungsgesetzgebung arbeitet mit Halbwahrheiten, indem sie Fiktionen verwendet und übliche Begriffe umdefiniert oder durch andere ersetzt:

In den Gesetzgebungsakten der mittelbaren Bundesverwaltung (...) wird regelmäßig angeführt: "Dieses Gesetz wird für den Bund keine besonderen Mehrkosten verursachen." Dies erfolgt trotz des Umstandes, daß bei den vollziehenden Behörden ein ganz erheblicher Mehraufwand vor allem hinsichtlich der personellen Ausstattung zu erwarten ist. {2. Rückzüge des Rechts; Rückzüge der Gesetzgebung - eine Phänomenlogie; 2.4.4 Verschleierungsgesetzgebung}

Es handelt sich um Gesetzgebung, die auch die für Gesetze als verantwortlich angesehenen Abgeordneten desinformiert und dadurch zu Fehlentscheidungen motiviert:

Eine völlig andere Form der Verschleierungsgesetzgebung ist die Verwendung bestimmter verharmlosender Begrifflichkeiten. Durch Verwendung von bestimmten Begriffen wird der Eindruck geweckt, der tatsächliche Sachverhalt sei ein anderer als das übliche Begriffsverständnis andeutet. {2. Rückzüge des Rechts; Rückzüge der Gesetzgebung - eine Phänomenlogie; 2.4.4 Verschleierungsgesetzgebung}

Wäre die Jurisprudenz wirklich, so wie es in den Vorlesungsverzeichnissen der Universität steht, Rechtswissenschaft, nämlich eine Wissenschaft und nicht nur an Universitäten unterrichtete Ideologie, mit dem Ziel, die Ideologen des Kapitalismus auszubilden, dann hätte das Buch von Bußjäger große Aufregung erzeugen müssen, wäre in zahlreiche Sprachen übersetzt worden und es gäbe eine explodierende Literatur zum Problem der Verlogenheit heutiger Jurisprudenz, um dagegen anzukämpfen. Stattdessen wird das Buch und damit das Problem unterdrückt. Ich habe es in keiner deutschen Universitätsbibliothek gefunden.

Bußjäger hatte die Hoffnung, seine scharfe Kritik gebe den Anstoß zu einer Änderung der Jurisprudenz. Aber zu ihrer Rettung ist es zu spät. Die Jurisprudenz ist mit ihrer Dogmatik mittelalterliche Denkmethoden tradierende, längst für eine brauchbare Rechtsverwaltung ungeeignete Ideologie. Wir brauchen an ihrer Stelle neue Rechtssysteme, die empirisch auf Moral gründen.

Erkennt man Kultur als Konzentration sozialer Moral, dann haben solche Nachfolgerechtssysteme auf Kulturtypen aufzubauen. Die Verschiedenheit von Kultur(typen) führt dann zu einander gegensätzlichen Rechtssystemen, die sich einer bedingungslosen, für den Kapitalismus typischen Globalisierung entgegenstellen. Die Nachfolgerinnen der Jurisprudenz als Verwalter des Rechts gibt es mit den Konfliktwissenschaftlen längst, unter die ich alle Sozialwissenschaften, sowie auf deren Theorien aufbauende Pädagogik und Wirtschaftswissenschaften zähle.

Die heutige Volkswirtschaftslehre ist keine Konfliktwissenschaft. Wer sie mit strikten Wissenschaftskriterien beurteilt, muss überhaupt ihren Wissenschaftscharakter bestreiten. Aber die Marktwirtschaftstheorie erfüllt, da falsifizierbar formuliert, im Gegensatz zur Jurisprudenz und einer deren Dogmatiktechnik tradierenden heutigen Volkswirtschaftslehre, moderne Wissenschaftskriterien und ist, basiert auf der Theorie der moralischen Gefühle, einem kombinierten Vorgänger heutiger Psychologie und Soziologie, Konfliktwissenschaft.

Wie das Recht in einer es durch Theorien kontrollierbaren Weise organisierbar ist, beschreibe ich in meinem vierten Band zur Vollbeschäftigungstheorie von Adam Smith. Dessen Hauptpunkte sind: Jedes Rechtsproblem ist ein Konflikt, weshalb Konflikttheorie zu seiner Lösung heranzuziehen ist. Das macht zur Verwaltung des Rechts Konfliktwissenschaftler geeigneter als Juristen, deren Fachbereiche deshalb zu schließen sind.

Ein konfliktwissenschaftliches Recht verzichtet auf Rechts- und Staatsanwälte, um durch Konfliktmoderation die Moral der Beteiligten miteinander zu konfrontieren. Ähnliches von dem, was die Juristen Mediation nennen, wird zum Standardgerichtsverfahren. Die obrigkeitsstaatlichen juristischen Verfahren laufen innerhalb des nächsten halben Jahrhunderts allmählich aus, wenn sich die konfliktwissenschaftlichen in der Konkurrenz mit ihnen als lückenlos überlegen zeigen.

Den als Rechtsdilettanten gewählten Abgeordneten wird das von ihnen gar nicht professionell wahrnehmbare Recht entzogen, selbst in Gesetzen herumzupfuschen, genauso wie den Ministerien. Die Abgeordneten sollen das formulieren, wozu sie gewählt wurden, politische Ziele, deren Formulierung in Gesetze unabhängigen Instituten übertragen wird, die darin konkurrieren. Da die an völlig verschiedenen Orten sind und man vorher nicht weiß, an welche davon der Auftrag geht, soll so die Gesetzgebung durch Lobbyismus, die Bußjäger zwar dauernd indirekt, aber leider nicht direkt behandelt, allmählich absterben.

Da es vielleicht die wichtigste staatliche Funktion ist, das Recht zu verwalten, werden Gerichtsverfahren vollständig kostenlos. Der Unterschied zwischen Zivil- und Strafverfahren, also auch zwei Verfahren für ein- und denselben Vorfall, der lukrativ zu sein verspricht, fällt weg. Konfliktwissenschaftlich basiertes Recht verzichtet auf das alttestamentarische und römische Vergeltungsprinzip, um es vollständig durch die theoretisch allein kontrollierbare Prävention zu ersetzen.

Parlamentarier dürfen nur einmal wiedergewählt werden, um sie davon abzuhalten, Berufspolitiker zu werden, als die sie definitionsgemäß nicht mehr das Volk repräsentieren können, wodurch sie dann keine demokratische Funktion ausüben. Ihre Bezahlung darf einen Mittelwert vom Einkommen der Bevölkerung nicht übersteigen, weil ein höheres sie automatisch von ihr entfremdet. Sollte ein auf Bescheidenheit vermindertes Einkommen Opportunisten vom Wunsch abhalten, Abgeordnete und überhaupt Politiker zu werden, so ist das durchaus erwünscht, aber die Einkommen in einer marktwirtschaftlichen Vollbeschäftigungsgesellschaft, in deren Rahmen ich die dazu passenden Rechtssysteme beschreibe, sind alle Einkommen sowie deutlich höher als die meisten im Massenarbeitslosigkeit benötigenden Kapitalismus.

Da Juristen dogmatisch, also nicht wissenschaftlich, sondern ideologisch ausgebildet werden, darf man auch von Bußjäger nicht erwarten,  brauchbare Alternativen zu den von ihm beschriebenen skandalösen Zuständen des  juristischen Rechts zu entwickeln. Aber im Rahmen seiner beschränkten Möglichkeiten hat er Hervorragendes geleistet, auf dem sich aufbauen lässt.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 11. Mai 2012 um 17:52 Uhr
 
Wie wir uns von falschen Theorien täuschen lassen
Geschrieben von: Wic Wen   
Dienstag, den 24. April 2012 um 17:47 Uhr

Besprechung des Buchs von Walter Krämer [2012] Wie wir uns von falschen Theorien täuschen lassen (University Press) Berlin

Der Ökonom und dortmunder Statistikprofessor Walter Krämer schrieb ein Aufklärungssachbuch über Täuschung durch 42 angebliche, aber nicht wirkliche Theorien. Ich sprang natürlich sofort auf mein Spezialgebiet Staatsverschuldung, die er auf zwei Seiten unter dem Titel abhandelt: 20. Was ist eigentlich so schlimm an Staatsverschuldung? Damit wiederholt er seinen Aufsatz aus der Lehrzeitschrift WISU 6/2001, in dem er das Problem zu einem verniedlicht, das eigentlich gar nicht existiere.

Er beginnt mit der Kritik:

Eine hohe Staatsverschuldung belaste die Wirtschaft und überwälze unsere Schulden auf künftige Generationen, sagt eine viel gehörte These.
Beide Aussagen sind in dieser Allgemeinheit falsch.

Seine Behauptung, „hohe Staatsverschuldung“ belaste weder „die Wirtschaft“ noch „künftige Generationen“ begründet er zirkulär damit, es sei schlecht, wenn der Staat keine Schulden mache:

Aber auf der anderen Seite würden viele, die jetzt noch über hohe Staatsverschuldung klagen, sehr dumm gucken, wenn der Staat das Schuldenmachen plötzlich bleiben ließe. Denn wenn niemand Schulden machte, könnte niemand Überschüsse erwirtschaften. Des einen Defizit ist notwendigerweise des anderen Überschuss, und wenn niemand in der Volkswirtschaft mehr Geld ausgibt, als er einnimmt, kann auch niemand mehr Geld einnehmen als er ausgibt.

Weil er, wie in der kapitalistischen Volkswirtschaftslehre üblich, fiktive Annahmen verwendet, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen, zeigt da ein viel schreibender Volkswirtschafts- und Statistikprofessor, nicht nur wissenschaftstheoretische Grundnormen zu missachten, sondern auch volkswirtschaftliche Grundlagen gründlich missverstanden und durcheinander gebracht zu haben. Natürlich ist es richtig, dass Schulden und Forderungen sich weltweit genau ausgleichen, weil das eine die Umkehrung des anderen ist. Aber die fiktive Annahme, „wenn niemand Schulden machte“, also außer dem Staat mache niemand sonst Schulden, ist keine das Verständnis erleichternde einfache Darstellung, sondern katastrophaler Unsinn. Mit seiner monopolistischen Schuldenmacherei drängt der Staat andere Interessenten von Krediten weg, nämlich zum Beispiel Existenzgründer, die dann nur noch Chancen auf genügende erhalten, wenn der Staat ihre Kredite subventioniert, was Markt- durch ein Stück Staatswirtschaft ablöst. Das verzerrt die gesamte Volkswirtschaft, auf Empfehlung von Walter Krämer.

Aber hohe Staatsverschuldung ist noch viel schlimmer. Sie erzeugt Massenarbeitslosigkeit auch noch direkt, wie Adam Smith nachweist und sich aus den Untersuchungen von John Maynard Keynes - von dem zwar nicht direkt erkannt, aber als Folgerung - ergibt, was Walter Krämer nicht weiß. So sei sie erneut dargestellt.

Nach Keynes, der heimlich, ohne direkten Bezug, erklärt, wie die Nazis in der ersten, auch große genannten Weltwirtschaftskrise Vollbeschäftigung erzeugten, kann der Staat bei hoher Massenarbeitslosigkeit Kredite aufnehmen, um die Nachfrage zu steigern. Mehr Nachfrage erfordert zusätzliche Arbeitsplätze mit zusätzlichen Löhnen, die dann noch weitere Nachfrage erzeugen. Bei genügend großem, nachfragewirksam ausgegebenem Kreditzufluss an den Staat muss Vollbeschäftigung entstehen, wenn ihr keine stärkeren Kräfte entgegen wirken: Soweit das volkswirtschaftliche Standardwissen, wie in jedem kapitalistischen Standardlehrbuch dargestellt.

Zweierlei steht darin aber inzwischen regelmäßig nicht mehr: Erstens dass Keynes von einem vorher weitgehend verschuldungsfreien Staat ausging und zweitens anschließend schnelle Rückzahlung des Kredits benötigt, um den Sonderfall wieder abzuschließen. Keynesianer verschiedenster Art kappten die nötige Rückzahlung der Staatskredite, weil Keynes die nicht ausdrücklich beschrieb, sondern als selbstverständlich annahm und erzeugten damit den dogmatischen Unsinn, Staaten dürften sich, so lange Massenarbeitslosigkeit bestehe, beliebig hoch verschulden und müssten nicht zurückzahlen. Anschließend wunderten sie sich dann nur und tun das noch immer, warum diese Lehre bedingungsloser Staatsverschuldung ohne Rückzahlung zunehmend von der erwarteten Vollbeschäftigung zunehmend wegführt.

Das Gegenteil entsteht: höhere Massenarbeitslosigkeit, wie strikte Anwendung der vorhergehenden keynesschen Analyse erklärt: Das Gegenteil von Geldzufluss durch Kredite ist Geldabfluss. Die Zinszahlungen des Staates für dauerhafte, weil nicht zurückgezahlte Kredite sind Geldabfluss. Als solche senken sie die Nachfrage, müssen also Massenarbeitslosigkeit erzeugen.

Das Problem hoher Staatsverschuldung besteht nicht im immer wieder gehörten Vorurteil, damit künftige Generationen zu schädigen. Die jetzt bestehenden hohen Schulden, lassen sich unmöglich zurückzahlen, sondern nur durch offenen Bankrott oder den heimlichen von Inflation beseitigen. Sie nützen nicht der jetzigen Generation auf Kosten künftiger, ein Vorurteil an dem auch Walter Krämer weiterspinnt, sondern sie schaden schon der jetzigen durch Massenarbeitslosigkeitserzeugung, wie bereits Adam Smith in altertümlicher Sprache beschrieb, was niemand widerlegt hat, sondern sich auch mit Keynes bestätigt.

In seinem Aufklärungsbuch für eine fachfremde Öffentlichkeit empfiehlt Walter Krämer also heimlich, offensichtlich ohne es selbst zu merken, der Staat solle Massenarbeitslosigkeit produzieren. Unter dem Etikett, Ideologien zu bekämpfen, verbreitet er seinerseits äußerst gefährliche. Wer sich in Wissenschaftstheorie nicht gründlich auskennt oder sie ablehnt, sollte vorsichtiger darin sein, andere Leute über Irrtümer aufklären zu wollen.

Walter Krämer hat wohl Pech gehabt, dass ich mich als erstes auf seinen Artikel zur Staatsverschuldung gestürzt habe, an dem so etwa alles falsch ist, was nur falsch sein kann. Andere seiner Artikel mögen substanzhaltiger sein. Aber die Arroganz von Volkswirtschaftsprofessoren, ihre Feindschaft gegenüber der gültigen Wissenschaftstheorie zu verstecken, indem sie nun massenhaft Sachbücher schreiben, mit denen sie unter dem Schein von Aufklärung uralte, weil vor der Marktwirtschaftstheorie entstandene, gefährliche, den größeren Teil der Bevölkerung und ihren Staat extrem schädigende Vorurteile verbreiten, erfordert stärksten Widerstand.

Professoren sollten forschen, zumindest sich mit den neueren Forschungen vertraut machen.  Zu denen gehört auch meine Beschreibung der Markt- und als Teil davon der Vollbeschäftigungstheorie von Adam Smith. Wenn sie mit der nicht einverstanden sind, sollen sie dagegen schreiben, so scharf wie nur irgendmöglich, aber aus der Konfrontation zu flüchten, indem sie ihre Missachtung wissenschaftlicher Vorgehensweise mit dem Schreiben von Sachbüchern noch verstärken, ist unwürdig, amoralisch, eben höchst unwissenschaftlich.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 25. April 2012 um 15:04 Uhr
 
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